Es ist schon fast wieder so weit... Die immer wiederkehrende fürchterlichste Zeit des Jahres. Die Weihnachtszeit steht bevor. Ich kann es kaum erwarten die überfüllte Innenstadt aufzusuchen. All die gestressten Ehepaare, die verzweifelt versuchen Geschenke zu bekommen, die Oma und Opa sowie den eigenen Nachwuchs zu befriedigen um bloß keinen Zorn auf sich zu ziehen. Ich belächel solche Menschen sehr gerne. Der Konsum, die, meiner Meinung nach, erzwungene Besinnlichkeit sind Dinge mit denen ich mich nicht beschäftigen möchte. Es mag sein, dass es tatsächlich Familien gibt in denen gerade die Besinnlichkeit echt und wahrhaftig ist, ich komme aber aus keiner dieser Familien. Ich bin mir auch ziemlich sicher, dass es diese klassischen Bilderbuchfamilien a la Family Brady nicht (mehr) gibt, oder zumindest nur noch sehr sehr selten. Grundsätzlich ist das ja auch nix schlimmes. Solange man selber mit seiner Familie umzugehen weiß bekommt man es schon irgendwie hin.
Noch vor zwei Jahren bin ich jedes Jahr zu Heiligabend zu meiner Mutter gefahren und habe dort an dem Schauspiel - ja, so nenne ich es am liebsten - teilgenommen. Auch nur deswegen, weil es meiner Mutter wichtig war. Für mich bedeutet die Weihnachtszeit in erster Linie ein paar Tage Urlaub, an denen man sich entspannt zurücklegen kann ohne von irgendwem gestört zu werden. Mit Besinnlichkeit oder Liebe hat das allerdings nichts zu tun. Wenn man dann irgendwann feststellt, dass man Heiligabend doch lieber in seiner eigenen Wohnung in aller Ruhe verbringen möchte, anstelle gerade beim Essen mit fürchterlichen Wein (meine Eltern waren nie wirkliche Kenner was Wein angeht, ich bin das ja auch nicht, aber ich kann wenigstens sagen welche Weine gut sind) zu sitzen.
Ich möchte mich auch nicht als armes Opfer welches nie richtig geliebt worden ist darstellen. Für mich ist Weihnachten einfach nicht das was überall suggeriert wird. Ich bin wahnsinnig unkreativ, wenn es darum geht Leute zu beschenken, und ich finde es einfach fürchterlich mich von einem Tag stressen zu lassen, nur weil ich jemanden beschenken muss... Das habe ich für jeden meiner sehr engen Freunde und Verwandten schon einmal im Jahr an deren Geburtstag. Und dann noch ein Tag an dem ich alle beschenken muss?! Nein, danke!
Ich bin überhaupt nicht religiös, was heut zu Tage zwar keinen Unterschied macht, da dieses Fest so sehr integriert ist, dass kaum einer mehr weiß warum man überhaupt Weihnachtsbäume aufstellt. Verstehen konnte ich das schon als Jugendlicher nicht.
Die genauen Gründe für meine Abscheu - so will ich es mal ausdrücken - kann ich nicht bestimmen. Und ehrlich gesagt ist es mir auch egal. Ich weiß wer mir wichtig ist. Ich weiß wen ich liebe, und das kann ich an jedem Tag des Jahres auch zeigen und aussprechen. Ich brauche dazu nicht die Geburt eines kleinen Zimmermannes feiern, der sich im Laufe seines Lebens irgendwann als Sohn Gottes bezeichnete...